das nehme ich nicht, geradezu die Aufgabe erfüllt, den Traum harmlos zu machen. Die Träumerin hatte nämlich am Vortage irgend welche Zumutung ihrer Köchin mit den Worten zurückgewiesen: Das kenne ich nicht, benehmen Sie sich anständig*, und nun von dieser Rede das indifferent klingende erste Stück in den Traum genommen, um mit ihm auf das spätere Stück anzuspielen, das in die Phantasie, welche dem Traume zu Grunde lag, sehr wohl gepaßt, aber auch dieselbe verraten hätte.
Ein ähnliches Beispiel an Stelle vieler, die ja alle das nämliche ergaben:
Ein großer Hof, in dem Leichen verbrannt werden. Er sagt: Da geh’ ich weg, das kann ich nicht sehen. (Keine deutliche Rede.) Dann trifft er zwei Fleischhauerbuben und fragt: »Na, hat’s geschmeckt?« Der eine antwortet: Na, nöt gut war’s. Als ob es Menschenfleisch gewesen wäre.
Der harmlose Anlaß dieses Traumes ist folgender: Er macht nach dem Nachtmahl mit seiner Frau einen Besuch bei den braven, aber keineswegs appetitlichen Nachbarsleuten. Die gastfreundliche alte Dame befindet sich eben bei ihrem Abendessen und nötigt ihn (man gebraucht dafür scherzhaft unter Männern ein zusammengesetztes, sexuell bedeutsames Wort) davon zu kosten. Er lehnt ab, er habe keinen Appetit mehr. »Aber gehen’s weg, das werden Sie
noch vertragen« oder so ähnlich. Er muß also kosten und rühmt dann das Gebotene vor ihr. »Das ist aber gut.« Mit seiner Frau wieder allein, schimpft er dann sowohl über die Aufdringlichkeit der Nachbarin, als auch über die Qualität der gekosteten Speise. »Das kann ich nicht sehen,« das auch im Traume nicht als eigentliche Rede auftritt, ist ein Gedanke, der sich auf die körperlichen Reize der einladenden Dame bezieht, und zu übersetzen wäre, daß er diese zu schauen nicht begehrt.
Der Traum »Non vixit«.
Lehrreicher wird sich