ganz anderen, in mehrfacher Hinsicht interessanten Ausdruck findet. Dort ist Thyri noch unvermählt und stellt ihrem Zukünftigen folgende Bedingung: er möge ein Haus bauen, wo vorher noch keines gestanden, dort die drei Nächte schlafen und darauf achten, was ihm träume. Er hat dann drei Träume von je drei Ochsen, wodurch Thyri über den Ausfall der nächsten drei Jahre unterrichtet, zur Vorsorge mit Getreidevorräten veranlaßt wird. Henzen, der hier mit Recht an die biblischen Träume des Pharao von den sieben fetten und sieben mageren Kühen erinnert, betont das »Zugrundeliegen alter indogermanischer Anschauung, welche die Zeugungskraft der Natur unter dem Bilde des Stieres und die Fruchtbarkeit der Erde unter dem der Kuh sich vorzustellen liebte« (vgl. Sanskrit gans = Kuh und Erde). So könnte auch dem Pharaotraum ein Wunsch nach menschlicher Fruchtbarkeit, eine Potenzphantasie zu grunde liegen. Die besonders geforderte Bedingung der Neuheit des Hauses und des Bauplatzes, die andere Male zu einem wahren Zeremoniell ausgestaltet erscheint (Unberührtheit des Lagers, des Bettzeugs, der Wäsche), könnte hier die Unberührtheit des Mädchens ersetzen.
Noch heute herrscht übrigens der Glaube, daß der erste in einem neuen Milieu geträumte Traum in Erfüllung geht.
VII. Zur Psychologie der Traumvorgänge.
(223) Vgl. Psychopathologie des Alltagslebens. 1. Aufl., 1901 u. 1904, 4. Aufl., 1912.
(224) Vgl. über die Absicht beim Vergessen überhaupt meine kleine Abhandlung über den »psychischen Mechanismus der Vergeßlichkeit« in der Monatschrift für Psychiatrie und Neurologie, 1898. Dieselbe ist später in die »Psychopathologie des Alltagslebens« aufgenommen worden.