den Abendstunden meine Vorlesung über den Zusammenhang der Hysterie mit den Perversionen gehalten und alles, was ich zu sagen wußte, mißfiel mir so gründlich, kam mir alles Wertes entkleidet vor. Ich war müde, ohne Spur von Vergnügen an meiner schweren Arbeit, sehnte mich weg von diesem Wühlen im menschlichen Schmutze, nach meinen Kindern und dann nach den Schönheiten Italiens. In dieser Stimmung ging ich vom Hörsaal in ein Café, um dort in freier Luft einen bescheidenen Imbiß zu nehmen, denn die Eßlust hatte mich verlassen. Aber einer meiner Hörer ging mit mir; er bat um die Erlaubnis dabei zu sitzen, während ich meinen Kaffee trank und an meinem Kipfel würgte, und begann mir Schmeicheleien zu sagen. Wie viel er bei mir gelernt, und daß er jetzt alles mit anderen Augen ansehe, daß ich den Augiasstall der Irrtümer und Vorurteile der Neurosenlehre gereinigt, kurz daß ich ein sehr großer Mann sei. Meine Stimmung paßte schlecht zu seinem Lobgesange; ich kämpfte mit dem Ekel, ging früher heim, um mich los zu machen, blätterte noch vor dem Schlafengehen im Rabelais und las eine Novelle von C. F. Meyer »Die Leiden eines Knaben«.
Unterdrückung und Aufhebung der Affekte.
Aus diesem Material war der Traum hervorgegangen, die Novelle von Meyer brachte die Erinnerung an Kindheitsszenen hinzu (vgl. den Traum vom Grafen Thun, letztes Bild). Die Tagesstimmung von Ekel und Überdruß setzte sich im Traume insofern durch, als sie fast sämtliches Material für den Trauminhalt beistellen durfte. Aber in der Nacht wurde die ihr gegensätzliche Stimmung von kräftiger und selbst übermäßiger Selbstbetonung rege und hob die erstere